Clubtreffen 2024 Tübingen
Am Samstag, den 26.10.2024 fand das Herbsttreffen des HAMMOND Nostalgie Club e.V. im Haus des Musikvereins Tübingen-Pfrondorf e.V. statt. 32 Vereinsmitglieder waren gekommen. Acht von ihnen - zum Teil gerade erst vor Kurzem in den Verein eingetreten - haben erstmalig an einem Treffen teilgenommen und haben unter all den Gleichgesinnten mit derselben Leidenschaft sofort Anschluss gefunden. Fünf Orgeln standen zur Verfügung, von denen vier im aktiven Einsatz waren; auf ihnen entwickelten sich spontane Sessions, wie wir sie bei unseren Treffen schon seit Langem nicht mehr hatten; gerade auch unsere jüngeren Mitglieder zögerten nicht, kräftig in die Tasten zu greifen.
Im nachmittägliche Workshop hat uns Gert Prix, der Inhaber und Leiter des Klagenfurter „Eboardmuseums,“ in einem spannenden und unterhaltsamen Vortrag auf eine Zeitreise von der ersten elektromechanischen HAMMOND, dem Modell A, bis zum „technischen Wahnsinn“ der X66 und X77 mitgenommen. Dabei rechnete er der Zuhörerschaft vor, dass auf einer HAMMOND mit ihren Zugriegeln 253 Millionen verschiedene Klangkombinationen möglich seien - das wären bei 24-stündigem Einsatz pro Tag 80 Jahre lang alle 6 Sekunden ein neuer Klang. Er wusste vieles über die unterschiedlichen HAMMOND-Modelle zu berichten: so, dass die A100 die erste Vollorgel mit serienmäßigem Hall, das Modell E die erste HAMMOND mit 2½-oktavigem Basspedal (und Kirchenorgel-Design), das Modell M (Cinderella) bei Erscheinen die meistverkaufte HAMMOND und die Porta B die erste HAMMOND mit einer zusätzlichen Perkussions-Fußlage (5th) war. Er betonte, dass nicht alle Modelle dasselbe Repertoire abdeckten, sondern unterschiedliche Klang-Eigenschaften hätten. So sei z.B. die H100 technisch sehr komplex ausgestattet (z.B. Stereo-Celeste Vibrato) und klinge bewusst anders als die großen Klassiker B3 und C3.
Das abendliche öffentliche Konzert des Marcus-Halver-Quartetts mit Paul Schmincke an der HAMMOND B3 beendete das Treffen. Die Band begeisterte mit einem unverwechselbar eigenen Stilmix aus Fusion, Soul und Jazz mit pulsierenden Grooves, markanten Riffs, abwechslungsreichen Arrangements und virtuosen Soli. Der zumeist „trockene“ Gitarren-Klang erinnerte an die hierzulande wenig bekannten „New Mastersounds,“ von denen das Quartett „Soulshine“ im Programm hatte; reichlich Effekte kamen hingegen (wie im Original) bei John Scofields „Chank“ zum Einsatz.
Paul Schmincke verwandte an der Orgel häufig obertonreiche, bisweilen ungewöhnliche Registrierungen. Marcus Halver bezeichnete ihn als das Mastermind der Band - sechs Stücke des Abends stammten aus seiner Feder, gleich zu Beginn die Gute-Laune-Nummer „Unter Einfluss,“ gefolgt vom exotischen „Fela“ mit seinem Sphärenklängen-Intro und dem orientalisch anmutenden „Istanbul.“ Ein Klassiker aus den 60er Jahren war das „Taxman“ der Beatles, einer aus den 70ern Curtis Mayfields „Move On Up.“ Daneben enthielt das Konzertprogramm eher nur Insidern bekannte Stücke wie das „Slinky“ der Filthy Six oder das swingende „Paul B Allen, Omaha“ des Schlagzeugers Buddy Miles. Zum besseren Verständnis gab Marcus Halver zu den Stücken jeweils eine kurze Einleitung. So bot das Quartett ein vielseitiges Konzert mit Eigen-Kompositionen und Bearbeitungen zum Teil relativ unbekannter Stücken verschiedener Stilrichtungen und Epochen - ein hochkarätiger Abschluss eines gelungenen Treffens.
